Donnerstag, 7. Juli 2011

Der stete Aufstieg der Aristokratie

Zum Ende der ARD-Vorabendserie "Marienhof" am 15.Juni 2011

Graf Ansgar von Lahnstein lächelt spöttisch über den Rand seines Champagnerglases, dabei zieht er halb ironisch, halb diabolisch die linke Augenbraue nach oben. Er feiert seinen Sieg, den Sieg der Großen über die Kleinen, des Schlosses über das Reihenhaus, Düsseldorfs über Köln. Beinahe zwanzig Jahre lang klebten diese lästigen Bürgerlichen an ihm, umschwirrten ihn wie die Fliegen. Endlich ist es ihm gelungen, sie für immer von ihrem Sendeplatz in der ARD zu vertreiben: Die kleinen Leute vom "Marienhof" müssen gehen, die Adeligen mit ihrer "Verbotenen Liebe" übernehmen jetzt das Zepter im täglichen Vorabend-Serienprogramm.

Bürgerliche mit ihren bürgerlichen Problemen, wie sie im „Marienhof“ beschrieben wurden,  sind dem Grafen zutiefst suspekt. Diese kleine-Leute-Sorgen, lächerlich. Was wissen die schon vom Leben? Sind gefangen in ihrem Alltag aus Geldbeschaffung in tristen Berufen, nur um das wenige Vermögen kurz darauf für billigen Nippes wieder auszugeben. Ab und an haben sie vielleicht mal eine kleine Affäre oder ihre Kinder verfallen der Drogensucht, aber das geht schnell vorbei, dauert höchstens 200 Folgen. Der Graf und seine Familie dagegen: Zunächst einmal tragen sie einen schicken Titel! Und sie wohnen in einem Schloss! Gut, ab und an haben sie auch mal Geldprobleme, weil sie alles für die kleinen Freuden des Lebens ausgeben. Und ja, manchmal laufen die Ehen zwischen den Blaublütigen schief und sie verlieren sich in verbotenen Liebschaften. Und ihre Kinder und die Drogen....nun, lassen Sie uns nicht davon anfangen.

Aber hat der Graf nicht Recht, sich zu freuen? Wären wir nicht alle gern ein bisschen Adel? Gestehen wir es ein: Die Zeiten sind schlecht, da blicken wir sehnsüchtig auf die erhabene Welt der Bessergestellten. Und weil nicht jeden Tag Prinzenhochzeit in Großbritannien sein kann, rettet uns die ARD ab heute mit täglichen 40 Minuten Adel total. Macht Platz ihr Gemüsehändler und Hausmeister! Die Nobilität obsiegt.

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