Dienstag, 23. September 2008

wiesoweshalbwarum

Strähniges Haar fällt ihr ins Gesicht, unter dem Mantel in dunkellila zieht sie die Schultern zusammen, ihre Schuhe scheinen zu schwer zu sein, so dass sie bei jedem Schritt umzukippen droht: Die Frau, die aussieht wie ein Fragezeichen. Immer wieder zeigt sie ihre geschwungene Silhouette, Kopf und Knie auf einer Linie, weit dahinter das Kreuz und die Füße. Traurig sieht das aus. Was fragt sie nur? Will sie etwas wissen - oder klagt sie damit an, die Menschen, das Leben und all das im allgemeinen?
Auch wenn es weder das eine noch das andere ist: Was sie hinterlässt, ist Ratlosigkeit. Ein großes Fragezeichen eben.

Samstag, 13. September 2008

Worüber die ZEIT nicht schreiben darf

Das geht so nicht. Ich möchte in etablierten Medien nichts über meine kleinen, subkultürlichen Fluchten lesen. Die gehören da nicht hin. Obwohl dieses Statement eigentlich keiner weiteren Erklärung bedürfen sollte, werde ich meine Gründe doch noch einmal erläutern. Zur Sicherheit.



Erstens: Ich bin ganz schön beschäftigt. Mit vielen, meist ernsten Dingen. Dazu gehört auch eine gewisse Anteilnahme an der Hochkultur. Nicht zu viel, nur ein klein wenig, um aktuell zu bleiben. Daneben erfordert es meine jugendliche Coolness jedoch außerdem, ein bisschen Subkultur zu leben. Nicht zu viel, nur ein klein wenig mehr, um den Erwartungen zu entsprechen. Und vor allem, um Spaß daran zu haben. Aber den subkulturellen Strömungen zu folgen, ist gar nicht so einfach. Denn wären sie einfach zu finden und jedem zugänglich, wären sie ja Hochkultur - logisch, oder? Wenn ich also meine kleine Nische voller Avantgarde gefunden habe, finde ich es sehr schade, wenn sie kurz darauf entdeckt wird. Denn dann muss ich mich von Neuem auf die Suche begeben und, wie gesagt, ich bin ganz schön beschäftigt.


Zweitens: In den etablierten Medien gibt es keinen Autor, dessen Beschreibung meiner Subkultur bei mir gut ankommen könnte. Entweder, derjenige gehört zur alten Schule und schreibt dann wahlweise ein wenig herablassend, aber gelinde wohlwollend von oben herab, oder aber er nutzt die günstige Gelegenheit, um über die Jugend von heute im allgemeinen zu jammern. Die andere Möglichkeit ist, dass der Autor selbst gerade erst den Stützrädern und Schwimmflügelchen entwachsen ist - und dann bin ich leider in erster Linie erbost darüber, dass sie ihn und nicht mich beschäftigen, weil ich bin auch jung und weiß Bescheid. So oder so, mir kann man es da wohl nicht recht machen.

Abschluss meiner absolut logischen Argumentationskette. Der Stein des Anstoßes findet sich übrigens hier.

Freitag, 5. September 2008

Bewerbung

Mit diesem Eintrag richte ich mich an den Fernsehsender Arte, genauer gesagt an die Redaktion von "Durch die Nacht...": Sehr verehrte Damen und Herren, hiermit möchte ich mich selbst für eine Folge vorschlagen. Mir ist durchaus bewusst, dass das nicht der üblichen Vorgehensweise entspricht und Sie mögen es für einigermaßen arrogant und anmaßend halten, dass ich meinen Namen selbst ins Spiel bringe. Allerdings ist es nun mal leider so, dass bis jetzt niemand anderem aufgefallen ist, welch hervorragende Qualifikationen ich für dieses Format mitbringe. Ich versichere Ihnen, dass das sonst nicht meine Art ist, aber ich glaube, es ist an der Zeit, selbst die Initiative zu ergreifen.

Kommen wir nun aber zu den Dingen, die mich auszeichnen und die sich in Ihrer Sendung ausgesprochen gut machen würden. Zunächst einmal: Ich kann ohne Probleme sehr lange wach bleiben, ohne müde zu werden. Ich brauche das Tageslicht nicht, um witzig und spritzig zu sein, im Gegenteil: Gerade abends habe ich oft die besten Ideen.
Zweitens: Die von Ihnen veranstalteten nächtlichen Aktivitäten finde ich sehr reizvoll. Vor allem die Vorstellung, nachts durch leere Museen und Galerien zu schlendern und dabei unterhaltsame Unterhaltungen zu führen, lässt mein Herz höher schlagen. Auch gegen ein Essen am Meeresufer oder in einem kleinen Restaurant mit furchtbar gemütlichen Sitzmöbeln habe ich nichts einzuwenden - vor allem bin ich kein bisschen mäkelig, was Nahrungsmittel angeht, was Ihnen Zeit und Nerven bei der Auswahl des Menüs ersparen würde. Außerdem lasse ich mich schrecklich gern mit einem Taxi in der Gegend herumfahren; ich bin keiner von den Menschen, die immer das Steuer übernehmen müssen.
Dass ich etwas zu erzählen hätte, müssen Sie mir leider unbesehen glauben. Ich bin zwar des öfteren nachts unterwegs und dabei meist eine regelrechte Wörterfabrik; nur hat bis jetzt noch keine Kamera diese Ereignisse festgehalten. Sie hätten damit die einmalige Möglichkeit, die Ersten zu sein - ein nicht zu unterschätzendes Privileg.
Abschließend möchte ich noch anmerken, dass Sie auch die Suche nach einem geeigneten Partner nicht anzutreten brauchen, den bringe ich nämlich mit. Das ist zugleich die Bedingung für meinen Auftritt, denn ich kann nicht garantieren, dass ich bei jedem Gesprächspartner meine Bestleistung liefern könnte. Die Chemie muss stimmen, Sie verstehen? Die Arbeiten meiner geschätzten Kollegin finden Sie hier.

Ich würde mich freuen, wenn wir zu einer Übereinkunft finden könnten - ich bin mir sicher, es wäre für alle Seiten ein Gewinn!

Auf der Couch sitzen kann sehr traurig sein

Bill Murray ist mein Held. Nicht der "Ghost-Busters"-Bill, sondern der "Broken Flowers" -Bill, der alt, allein und traurig aussieht. Dabei tut er gar nichts. Er sitzt nur da - auf einer braunen Leder-Designer Couch, die gleichzeitig teuer und furchtbar hässlich aussieht, ein Ungetüm, in dem man zwar versinkt, aber sich niemals geborgen fühlt - und starrt vor sich hin. Starrt auf den Fernseher, in dem Western oder Zeichentrickfilme aufflimmern, starrt am Bild vorbei in die Leere - und dabei strahlt so viel Einsamkeit und Traurigkeit aus ihm heraus wie Helligkeit aus einer Flutlichtanlage.

Da stört es fast gar nicht, dass der Film ein merkwürdiges Ende hat und einige Längen und machmal zu wenig Dialog. Bill muss gar nicht sprechen, eigentlich ist es sogar besser, wenn er schweigt. Denn dann potenziert sich seine Traurigkeit, verschmilzt mit der Stille zu einem riesigen, wabbernden Etwas, das er in die Welt hinaus sendet.



Vermutlich ist es mal wieder Zeit für eine Komödie in meinem Leben...