"Wenn du schreibst, sei originell. Wenn du allerdings klauen musst, dann klau bei den Besten." (Woody Allen)
Klauen bei den Besten - keine einfache Aufgabe. Denn wer sind sie, diese "Besten"? Gibt es ein Verzeichnis für sie? Finde ich sie möglicherweise in den gelben Seiten? Oder im Internet? Und nur mal angenommen, ich komme ihnen auf die Spur: Was mache ich dann bloß mit diesen Informationen? Wie zum Teufel mache ich aus etwas Fremden mein Eigentum?
First immitate, than innovate, sagt Vivanne Westwood. Auf dem Nichts etwas zu schaffen scheint also selbst für jene unmöglich zu sein, deren Job es ist. Alle studieren zunächst die, die vor ihnen da waren: Maler, Musiker, Schriftsteller - sie alle haben entweder Vorbilder oder aber versuchen, sich gegen das abzugrenzen, was es schon einmal gab. Ideen entstehen nicht im luftleeren Raum, sie entwickeln sich. Und dafür brauchen sie Nahrung: Bücher, Filme, Musik...was auch immer nötig ist.
In letzter Zeit habe ich dieses Ideenfutter sträflich vernachlässigt. Warum? Nun ja, das Leben hat zugeschlagen, mit all seinen Tücken und Abgabefristen. Jegliches Denken wird nur noch danach bewertet, ob es einen Nutzen für die Arbeit bringt. Eine traurige Entwicklung, der ich heute mutig entgegen gearbeitet habe. Gelobt sei der Sender 3sat, der Woody Allen für eine Woche zurück in unser aller Bewusstsein holt. Woody Allen, diesen Magier der Worte, den Kapellmeister der Komik, den Zirkusdirektor in der Manege menschlicher Abgründe! Er versteht es nicht nur, die Menschen zu unterhalten, nein, er öffnet ihnen dabei auch noch die Augen.
Und nun, nachdem ich den Großmeister zwei Filme lang bewundert habe, sind meine Augen so weit offen, dass ich nicht schlafen kann. Wie könnte ich auch! Ich will sein wie er, verdammt! Aber während er jedes Jahr einen Film dreht und vermutlich soviele Blatt Papier beschrieben hat, dass man ihn mitverantwortlich für die Abholzung des Regenwaldes machen könnte, erscheinen meine Bemühungen doch eher als Zeitvertreib. Bleibt zu hoffen, dass sich dieser Zustand irgendwann ändert. Und wenn nicht: Die Menschheit hat ja zumindest Woody Allen, ich muss also kein schlechtes Gewissen haben, jemanden im Stich zu lassen!
2 Kommentare:
Jetzt wo der Woody dich wieder zum Schreiben animiert hat, mag ich ihn gleich noch lieber.
Und wenn ich an irgendwas glauben soll, dann doch am Liebsten, dass sich der Zustand ändert und du wieder ganz viel schreibst. Das tu ich auch. Immer.
Vielleicht schaffe ich es in nächster Zeit ja auch, dich wieder ein bisschen mehr zu füttern. Du sollst nicht aufhören.
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