Freitag, 25. Juni 2010

Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt

Der Volksmund verkündet ja bekanntlich eine Menge Weisheiten. Aber wer ist dieser Volksmund überhaupt, dass er sich solche Freiheiten rausnimmt? Sagen wir ihm vielleicht, was er zu tun und zu lassen hat? Wohl kaum. Ich bin jedenfalls dafür, den Volksmund, das alte Plappermaul, öfter mal in seine Schranken zu weisen. Und genau das werde ich jetzt tun:

Beginnen wir mit oben genannter Weisheit, "Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt". Was genau soll uns dieser Satz vermitteln? Wer ihn hört, stellt vermutlich als erstes (vielleicht auch unbewusst) eine gedankliche Verbindung zwischen "Krieg" und "Liebe" her. Soweit kann ich dem Volksmund zustimmen, hier lassen sich ohne große Mühe viele Gemeinsamkeiten feststellen. Beide sind grausam, meistens unnötig und Menschen kommen darin zu Schaden. Wir sehen: In diesen Bereichen sind "Krieg" und "Liebe" tatsächlich kaum voneinander zu unterscheiden - ein Punkt für den Volksmund.

Aber der Volksmund sagt ja eben nicht einfach, dass "Krieg" und "Liebe" das selbe sind, sondern er behauptet, dass in beiden Betätigungsfeldern alles erlaubt sei - und meint damit ganz sicher üble Listen und grausames Verhalten. Nun ja, hier wird deutlich, dass der Volksmund seine Weisheiten aus dem Bauch heraus formuliert und vorher nicht ordentlich recherchiert. Denn im Krieg, lieber Volksmund, gibt es so viele Regeln, dass es eigentlich erstaunlich ist, dass die Leute überhaupt noch Krieg führen und diese ganze Bürokratie auf sich nehmen wollen! Es gibt Regeln dafür, wer kämpfen darf und wer nicht; dafür, wie gekämpft werden darf und dafür, was nach dem Kampf passiert. Heimtücke und menschenverachtende Handlungen sind strengstens verboten und Gefangene genießen einen gesicherten Status. Natürlich heißt all das nicht, dass die Menschen sich zwangsläufig an diese Regeln halten. Aber es gibt sie.

Schauen wir uns dagegen den zweiten Bereich an, so fällt auf, dass sich hier niemand auf irgendwelche allgemeingültigen Verträge und Gesetze verlassen kann. Sicher, es gibt Eheverträge und Familiengesetze - aber für die ganze Zeit davor existieren keine Sicherheiten. Hier kann keiner verlangen, nach den Geboten der Humanität behandelt zu werden und sich dabei auf die Genfer Konventionen berufen!

Wir sehen also: "Krieg" und "Liebe" mögen viele Gemeinsamkeiten haben, aber nur in der Liebe ist tatsächlich alles erlaubt. Was bedeutet: Der Volksmund hat hier Unrecht. Ob das auch bei anderen Weisheiten der Fall ist? Bleiben Sie dran, liebe Leser, ich werde mich um Aufklärung bemühen!

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